Was man an Fußgängerüberwegen sieht
Ein typisches Bild an Zebrastreifen: Ein Fußgänger ist halb auf dem Zebrastreifen, die Ampel blinkt, und ein Autofahrer verlangsamt gerade so weit, dass der Fußgänger passieren kann. In diesem kurzen Moment der Interaktion, die oft nicht mehr als 3 Sekunden dauert, kann eine simple Dankeswelle oder ein Nicken den Unterschied in der sozialen Kommunikation ausmachen.
Forscher, darunter ein Verkehrspsychologe im Vereinigten Königreich, haben Hunderte solcher Überquerungen untersucht. Die Studien zeigen, dass Menschen, die solche Mikrogesten des Dankes zeigen, dazu neigen, auch andere prosoziale Verhaltensweisen zu zeigen. In Nachbefragungen erreichten sie höhere Werte bei Eigenschaften wie Empathie, Gewissenhaftigkeit und sozialer Verantwortung.
Was die Psychologie dazu sagt
Personen, die spontan eine „Dankeswelle“ machen, werden oft als hoch in Verträglichkeit und hoch in Perspektivenübernahme beschrieben. Diese Mikro-Verhaltensweisen drücken nicht nur Dankbarkeit aus, sie sind Teil ihrer Persönlichkeit und der internalisierten sozialen Normen. Solch eine Geste kann als Signal verstanden werden: „Wir sitzen alle im selben Boot“.
Psychologische Studien zeigen außerdem, dass diese Mikrogesten mit einer Form der Alltagsdankbarkeit zusammenhängen. Menschen, die alltägliche Gefälligkeiten bemerken, winken eher – sei es, weil ein Fahrer im Regen bremst oder jemand bei gelbem Licht nicht beschleunigt. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist die soziale Sensibilität, also die Fähigkeit, auf die emotionale Atmosphäre zu reagieren und zu erkennen, dass ein kleines Dankeszeichen die Situation entspannen kann.
Wie kleine Handlungen Beziehungen beeinflussen
Interessanterweise sind es oft genau diese kleinen, fast unbemerkten Handlungen, die viel für zwischenmenschliche Beziehungen tun können. Vorschläge wie ein einwöchiges Experiment, bei dem man bei jedem Nachgeben eines Fahrers die Hand hebt, liefern interessante Ergebnisse. Die Praxis dieser Mikrogesten ließe sich viele Male im Jahr wiederholen, ohne lächerlich zu wirken, und bietet außerdem Lernmöglichkeiten, die die persönliche Stimmung und die Interaktionen positiv verändern können.
Soziale Signale im Alltag
Solche Mikrogesten haben nicht nur das Potenzial, den Alltag freundlicher zu machen, sie formen auch die Erwartung an zwischenmenschliche Begegnungen. Nach regelmäßiger Praxis, wie von einer nicht namentlich genannten Psychologin berichtet, begannen dieselben Autofahrer schneller zu bremsen und zurückzulächeln. Solche Gesten sind trainierbar und sind nicht nur Ausdruck von Wohlwollen, sondern ein echter Beitrag zum Bürgersinn.
Trotz dieser positiven Seiten sollte man nicht automatisch das Fehlen solcher Gesten als Unhöflichkeit oder Desinteresse werten. Menschen, die nicht winken, können einfach ängstlich, abgelenkt oder in Gedanken versunken sein. Mikrogesten sind kein endgültiges moralisches Urteil über den Charakter einer Person; Persönlichkeit ist oft komplex und inkonsistent.
Kleine Gesten des Dankes, wie eine „Dankeswelle“, können im Straßenverkehr und darüber hinaus eine positive Dynamik erzeugen. Wenn wir solche Gesten öfter zeigen, anerkennen wir den gemeinsamen Raum, den wir teilen, und stärken ein Gefühl von Gemeinschaft und Mitgefühl.