Neue Methoden, neue Einsichten
Forscher der Universität Kopenhagen und der Nanyang Technological University (NTU Singapore) zeigen erstmals, dass die erste zelluläre Reaktion auf UVB‑Exposition durch Schäden an der RNA und nicht an der DNA gesteuert wird. Die Studie unter Leitung von Professor Simon Bekker-Jensen und Assistant Professor Anna Constance Vind öffnet eine neue Dimension im molekularen Verständnis von Hautentzündungen. In Experimenten mit murinen und menschlichen Hautmodellen konnte nachgewiesen werden, dass RNA‑Schäden die Stressantwort der Zellen auslösen.
Mit Knockout‑Mausmodellen ohne das ZAK alpha Kinase‑Gen und in‑vitro‑Tests an menschlichen Keratinozyten fanden die Forscher heraus, dass ZAK alpha als Schlüsselfaktor bei der Erkennung von ribosomalem Stress durch beschädigte mRNA fungiert. Bekker‑Jensen fasst es so zusammen: „Wir haben herausgefunden, dass das Erste, worauf die Zellen reagieren, nachdem sie UV‑Strahlung ausgesetzt wurden, Schäden an der RNA sind.“
ZAK alpha – ein molekularer Wächter mit Potenzial
Der beschriebene Mechanismus, die ribotoxische Stressantwort (RSR), aktiviert bestimmte Signalwege im Zytoplasma, vor allem die p38‑ und JNK‑Signalwege. Diese Signalwege sind wichtig für die Auslösung pyroptotischen und apoptotischen Zelltods. In Mausmodellen ohne das ZAK alpha‑Kinase‑Gen blieben typische UV‑bedingte Reaktionen wie Keratinozyten‑Tod und epidermale Schwellungen aus. Auch kultivierte menschliche Keratinozyten reagierten auf RNA‑Schäden in ähnlicher Weise. Das legt nahe, dass ZAK alpha als molekularer „Sentinel“ fungieren könnte.
Dieser Wechsel von einem primär DNA‑zentrierten zu einem RNA‑zentrierten Modell hat weitreichende Folgen für Lehre, klinische Praxis und öffentliche Gesundheit. Bisher basierten Sonnenschutzmittel und Interventionen auf Annahmen über DNA‑Schäden, was jetzt eine Neubewertung der zugrundeliegenden Fotoimmunologie‑Modelle nötig macht. Ein RNA‑basiertes Verständnis könnte auch die Ausbildung in Dermatologie und verwandten Fachgebieten verändern.
Blick nach vorn und offene Fragen
Für ZAK alpha‑Inhibitoren gibt es bislang noch keine klinischen Studien, aber das RNA‑zentrierte Modell findet immer mehr Interesse bei Forschern und biomedizinischen Aufsichtsbehörden. Offene Fragen bleiben, etwa ob dieses Modell für alle Hauttypen gilt und wie langfristige DNA‑Mutationen und akute RNA‑Signalgebung miteinander zusammenspielen. Die Ergebnisse könnten neue Behandlungswege ermöglichen, die unabhängig von klassischen DNA‑Reparaturmechanismen funktionieren.
Letztlich fordert diese Entdeckung Forscher und Kliniker auf, bestehende Modelle kritisch zu prüfen und neu zu bewerten. Es bleibt spannend zu sehen, welche Entwicklungen sich aus diesen Befunden ergeben und wie sie praktisch genutzt werden können, um besseren Schutz vor UV‑bedingten Schäden zu schaffen.