So lief die Expedition
Die Mission nutzte das bemannte Tauchboot Fendouzhe und erreichte eine Tauchtiefe von 5.277 Meter. Gefahren wurde von dem neuen, eisfähigen Forschungsschiff Tan Suo San Hao (für arktische Bedingungen ausgelegt), das während der fast 100-tägigen Fahrt insgesamt 43 Tauchgänge durchführte. Davon absolvierte das Fendouzhe 32 Tauchgänge. Zur Zusammenarbeit unter dem Eis kam außerdem das Jiaolong-Submersible zum Einsatz.
Um die Tauchfahrzeuge ins Wasser zu bringen, brach das Forschungsschiff das Eis auf und schuf ein temporäres Becken. Nach einem Tauchgang lotete das Fendouzhe mit Sonar und Kameras eine passende Öffnung im Eis zum Auftauchen aus, während das Schiff bei Bedarf eine neue Öffnung räumte. Die Kooperation wurde gemeinsam vom chinesischen Ministerium für natürliche Ressourcen und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften geleitet.
Die verborgene Welt des Gakkel-Rückens
Der Gakkel-Rücken ist eine vulkanische Gebirgskette unter dem arktischen Eis, die sich zwischen Grönland und Sibirien erstreckt. Als Teil des Netzes mittelozeanischer Rücken (Bereiche, in denen tektonische Platten auseinanderdriften und neue ozeanische Kruste entsteht) war diese Region bisher nur durch Sonarkarten und kurze, unbemannte Missionen bekannt. Frühere Studien, etwa die Nature-Studie von 2003, hatten hydrothermale Quellen am westlichen Gakkel-Rücken nachgewiesen. Der östliche Abschnitt aber blieb bislang unerforscht und war nun Gegenstand genauer Untersuchungen.
Während der fast 100 Tage auf See wurden umfangreiche Proben und Messungen durchgeführt. Es wurden Sedimentkerne, Gesteinsproben, Meerwasser- und biologische Proben gesammelt. Hügel und Schluchten des Meeresbodens wurden mit Kameras und Sonar kartiert. Die neuen, detaillierten Aufnahmen ersetzen die unscharfen Konturen auf alten Karten; die gewonnenen Proben werden zur weiteren Analyse in Labore weltweit geschickt.
Wo man nach Leben gesucht hat
Ein zentrales wissenschaftliches Ziel war die Frage, ob der östliche Gakkel-Rücken ebenfalls hydrothermale Quellen hat. Solche Quellen nähren spezialisierte Lebensformen, die ihre Energie chemisch statt durch Sonnenlicht gewinnen. Frühere Ergebnisse, etwa die 2022 erschienene Nature Communications-Studie, zeigten bereits ähnliches Leben am westlichen Rücken. Die neuen Proben der Expedition könnten weitere extreme Ökosysteme offenbaren und Hypothesen über Leben in den dunklen Ozeanen von eisigen Monden wie Europa stützen.
Was das für die Zukunft heißt
Die Mission liefert neue Einblicke in eine Region, die wegen ihrer Abgeschiedenheit und der dicken Eisdecke bisher schwer zugänglich war. Ein Beteiligter mit dem Nachnamen Huang beschrieb sie als “das letzte Puzzleteil”. Die aus der Expedition gewonnenen Daten sollen dazu beitragen, Klimamodelle zu verfeinern, die für die langfristige Planung in Küstenregionen wichtig sind.
Die Resultate unterstreichen, wie wertvoll die Erforschung unbekannter Teile der Erde weiter ist. Ein genauerer Blick auf solche verborgenen Gebiete erweitert nicht nur unser Wissen über den Planeten, sondern beeinflusst auch die künftige wissenschaftliche Forschung und die Klimapolitik. Die Ergebnisse werden internationale Forschungsbestrebungen anregen und dazu dienen, unser Verständnis von Leben unter extremen Bedingungen auf der Erde und darüber hinaus zu erweitern.